No-Code Integration auf Enterprise Niveau

Was wäre das Internet ohne APIs? In jedem Fall wären wir um viele wunderbare Integrationen ärmer, die uns anwendungsübergreifend völlig frei von Medienbrüchen arbeiten lassen - ganz ohne zwischen unzähligen Oberflächen, Programmen und Masken hin- und herspringen zu müssen. Mächtige Enterprise Service Buses, API-Gateways und EDI-Konverter erleichtern in Unternehmen in der Regel diese Aufgabe; in den meisten Fällen unter erheblichem Entwicklungsaufwand und mit spürbaren Ausfallerscheinungen, wenn eine Integration mal nicht so funktioniert, wie sich der Entwickler das gedacht hat.

 

Während im Small Business-Umfeld Zapier, IFTTT, Integromat und Microsoft Flow über das einleuchtend einfache Trigger-Action Paradigma Google Mail, Excel, Todoist und viele hunderte Anwendungen miteinander verbinden, fehlte es bislang dem Enterprise-Umfeld an dieser Leichtigkeit. Das kalifornische Unternehmen workato hat das geändert - und fordert mit seiner Kombination aus einfacher Bedienung sowie der Erfüllung geschäftskritischer Ansprüche an Skalierbarkeit, Sicherheit, Performance und Flexibilität die etablierten Platzhirschen des Gartner Magic Quadrants EiPaaS heraus. In mehreren Beiträgen möchte ich diese völlig Cloud-basierte No-Code Integrationsplattform vorstellen und deren Einsatzmöglichkeiten an konkreten Beispielen erläutern. Anfangen wollen wir mit etwas Überschaubarem, wenn auch technologisch Repräsentativem für workatos Funktionsweise.

 

Personalisierte Kundenmailings im E-Commerce

Mein Online-Weinhandel weintrieb.de läuft auf der führenden E-Commerce Cloud-Plattform Shopify; daran koppeln sich direkt mittels Plug-ins (Apps) ca. 8 weitere Cloud-Systeme wie Buchhaltung, Datev-Anbindung, Payment, Mailchimp, Google u.a.. Leider bietet Shopify keine Möglichkeit, personalisierte E-Mails mit Sonderangeboten an meine Bestandskunden zu schicken. Jeder Online Marketer würde intuitiv zu Mailchimp greifen, um die subskribierten Kunden zu adressieren. Gibt es neben der Kundendatenbank in Shopify noch weitere Interessenten oder "Laufkunden", so wäre er auf eine manuelle Lösung zurückgeworfen; Shopify ist eben (noch) kein CRM-System. Aber genau diese Heterogenität in den Datenquellen zeichnet die Realität vieler Unternehmen aus. Ihr gilt es, per Automatisierung und Integration mehrerer Systeme Herr bzw. Frau zu werden.

Der Riesling "Heiligenschein" feiert Karneval

Zurück zur Aufgabe: Der Literriesling Heiligenschein, eine Komposition meines Geschäftspartners und Sommeliers, passt herrlich zur fröhlichen Karnevalssaison. Rhein auf, Rhein ab wird gefeiert, gelacht - und gesoffen, bevor es in die Fastenzeit geht. Der "Heiligenschein" (der Name ist eine Anspielung auf die verwendete Hefe für die Gärung "Heiligenstein") soll für kurze Zeit um 25% reduziert angeboten werden. Schnell den entsprechenden Streichpreis in Shopify konfiguriert und dann ... Ja wie schicke ich dann allen meinen Interessenten automatisiert ein Angebot, welches nicht im Spamfilter hängen bleibt oder dessen Bilder herausgefiltert werden - beides die großen Laster von Mailchimp?

Google Tabellen sammelt die Kontaktdaten, workato organisiert mit Outlook 365 das Mailing

Über eine workato Integration habe ich einst alle Kontaktdaten nach Google Tabellen exportiert. Registriert sich seitdem ein Kunde für das Mailing in meinem Online-Shop, fügt workato seine relevanten Kontaktdaten automatisch dieser Tabelle hinzu. Um das einmalige Mailing der Karnevalsaktion zu automatisieren, erstelle ich in workato ein Recipe (so nennt workato seine Automatisierungen). Trigger und Auslöser für diesen Ablauf ist ein Scheduler, ein zeitgesteuerter Batch-Prozess. Er soll zuerst nur einige Kunden testweise anschreiben, bevor in einem zweiten Lauf alle Kunden über die Sonderaktion informiert werden.

An diesen Trigger schließt sich der zweite Teil des Recipe an, die sogenannte Actions. Die workato Integration "Search rows in a sheet in Google Sheets" lädt alle Kontaktdaten aus meiner Google Tabelle in den Speicher und iteriert mithilfe einer Repeat-Action vergleichbar einer ForEach-Schleife über alle Zeilen, d.h. alle Kontakte. Nachdem anhand der Anrede noch zwischen Mann und Frau differenziert wurde (das dritte Geschlecht gibt es unter meinen Weinkunden offenbar bislang noch nicht), versendet eine Outlook-Action eine E-Mail an jeden Kontakt - mit der korrekten Anrede und einem prägnanten Text zu unserem Rieslingangebot. Zuletzt fügt workato noch einen Zeitstempel bei jedem Kundendatensatz in der Google Tabelle ein, sodass der Versand der E-Mail protokolliert wird. Diese findet sich natürlich auch in den Gesendeten Elementen in Outlook. Fertig!

Erstklassiger Helpdesk im Minutentakt

Als "Fanatiker" hinsichtlich Dienstleistungsmentalität möchte ich noch eines erwähnen: Als ich beim Einlesen der Datensätze aus dem Google Sheet nicht weiterkam (die Google API erfordert mindestens ein Selektionskriterium in einer Spalte, sodass ich solch eines fingieren musste), habe ich mich des Chatbots von workato bedient. Binnen 2 Minuten hatte ich Richard im Chat, der nach meiner Freigabe auf mein Recipe schaute und mir binnen 30 Sekunden mitteilte, wie ich das Problem lösen könnte. 1A Kundenservice! Wenn das die neue Servicementalität bei SaaS-Diensten aus dem Sunshine-State ist, dann können sich manch etablierte Unternehmen warm anziehen. Ich sehe jedenfalls die Morgenröte aus dem Westen kommen - auch wenn workatos Helpdesk vermutlich in Fernost sitzt. Wie dem auch sei: Hans Rosenthal wäre mit seinem Bonmot "Das war spitze!" vor über 30 Jahren vor lauter Begeisterung sprichwörtlich in die Luft gegangen. Soviel für heute.

In einem weiteren Artikel werde ich mich anderen typischen Integrationen im Unternehmenskontext widmen. No-Code und Low-Code (dazu komme ich später separat) sind im Begriff, die agile Software-Entwicklung zu revolutionieren: Sie geben diesem Way of Working endlich die nötigen technologischen Hilfsmittel an die Hand, all jene Fortschritte in der konstruktiven und unmittelbaren Zusammenarbeit zwischen Menschen zu realisieren, die sich die Urheber des Manifest der agilen Software-Entwicklung vor zwei Jahrzehnten erträumt haben. Gut so!

 

Meine freie Meinung, mein freies Wort

Zu guter Letzt: Ich habe keinerlei Geschäftsbeziehung zu workato oder genieße irgendwelche Vorteile aus meinem Beitrag. workato hat mir lediglich auf meine Bitte hin einen Vollzugang zu seiner Plattform eingeräumt, damit ich all die schönen Dinge ausprobieren kann, die mir so vorschweben. Daneben prüfe ich weitere tolle Integrationsplattformen anderer innovativer Software-Unternehmen, über die sicherlich der eine oder andere Beitrag in Zukunft entstehen wird. Wir leben in technologisch spannenden Zeiten!